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Elena Belfiore Lawrence Brownlee Renato Girolami Alexandr Vinogradov

Bericht Staatsoper Berlin. Die Inszenierung von Ruth Berghaus ist meisterhaft. Abgesehen von den von zahllosen Sängerhänden speckig gewordenen Vorhangsäumen ist dieser Barbiere so frisch wie am Premierentag und ein Wunder an regielicher Treffsicherheit und gestischer Leichtigkeit. Berghaus begreift den Witz der Musik als dem des Cervantes verwandt. Die Regisseurin zeigt das Minimum an Evokationsmaterial, dafür bringt sie im Ablauf der Intrigen Fingerhakeleien und Fußtritte in den fantasievollsten Variationen unter. Es triumphiert die Stilisierung der Komödie. Die Regiearbeit wirkt klar, nüchtern, unendlich pointiert und ist ein stilistisches Meisterwerk.

Singen in außergewöhnlichen Körperstellungen gehört zu den wichtigsten Errungenschaften des Regietheaters // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Die musikalische Umsetzung hatte entschiedene Mängel. Ein technisch korrekter Julien Salemkour leitete eine Zweitbesetzung der Staatskapelle, bei der das Horn wackelte, die Geigen hoppelten und die Flöte Holz hackte. Der Eindruck, den die Staatskapelle machte, kann mit dem einer vertrockneten Rosine verglichen werden. Die dynamischen Steigerungen waren wenig inspirierend, die rhythmische Verve hielt sich in Grenzen.

Elena Belfiore trägt einen Nachnamen, der besonders für eine Rosina viel verspricht. Doch die Italienerin löste wenig dieses Versprechens ein, wie ihr etwas eintöniger Vortrag, der fehlende Farben und eine pauschale Linienführung verbindet, bewies. Einzig die lauten Spitzentöne verrieten Intensität. Ihr Spiel fand sich nicht recht in das von Berghaus mit nicht immer sympathischen Charakternuancen angeschärfte Porträt der Rosina. Man hätte wirklich gerne Katharina Kammerloher gehört. Wo ist sie? Renato Girolami gibt ein lebhaftes Porträt des Don Bartolo und singt gestisch hyperaktiv, doch stets technisch kontrolliert. Alexander Vinogradov gibt den Basilio mit der Schwärze einer Sommergewitterwolke. Der charakterlich nicht ganz astreine Almaviva erhielt in Lawrence Brownlee einen Sänger, dessen leichte, nicht sehr große, mit angenehmer Lockerheit geführte Stimme ein ums andere Mal gefiel.

Kritik Barbier Staatsoper: Der entzückende Barbier Ruth Berghaus‘ litt unter dem hölzernen Orchester (Leute, ich habe schon so viel Lobeshymnen auf euch geschrieben, da darf ich auch mal so was) sowie unter der im gestischen Singen etwas kühlen und im Stimmmaterial begrenzten Elena Belfiore.

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