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Die erneute Begegnung mit der Purcell-Oper in Sasha Waltz‚ Bühnenfassung nach gut zwei Jahren ist ein heißer Sonnenstrahl im klimatisch trüben Berliner Herbst. Es fängt mit der Musik Purcells an. Diese Musik ist klar wie Bergwasser, durchsichtig bis auf den Grund der Dinge wie das Weltall und von jener Abgeklärtheit, die wenige Musiktheaterwerke neben Le Nozze di Figaro auszeichnet. Nebenbei vermag hier eine knappe

Sasha Waltz setzt an der Staatsoper eindeutig aufs nasse Element // Foto: Sebastian Bolesch / staatsoper-berlin.de

Handvoll Musiker ähnlich narkotisierende Wirkungen hervorzubringen wie bei Siegfrieds Trauermarsch eine große Wagnerkapelle. Ein sehr lebhafter und biegsamer Chris Moulds leitet die fabelhafte Akademie für Alte Musik Berlin, da die Staatskapelle in diesen Tagen im Musikverein Wien und im Pariser Salle Pleyel Mahler spielt. Die Gesangssolisten sind die der Premiere. Sasha Waltz mischt ihre Tänzerinnen und Tänzer unter die Sänger und Choristen. Beide Gruppen formieren ekstatische Knäuel, schütteln sich als Bäume im Sturm, verlängern sich zu parallelen Linien, die sich als Schlangen plötzlich bewegen, als Wellen hilfesuchend Arme werfen oder zu rotieren beginnen. Der zu Bekanntheit gelangte Wassertank, in dem sich Waltz‘ Equipe räkelt, steht nur während der ersten Viertelstunde auf der Bühne. Während immer wieder auftauchender, langer stiller Momente hört der Zuhörer nur das Wischen der Füße auf dem Bühnenboden. Hier und da heulen die Zuschauer vor Schönheit. Wie gesagt, Purcells Musik ist von entzückendster Effizienz und gültigster Hitzigkeit. Das Glück dieser Produktion ist, dass von Sasha Waltz Regie das gleiche gesagt werden kann. Vor der Staatsoper stehen Leute, die Karten suchen. Diese Dido und Aeneas ist ein Geschenk des Opernhimmels.

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