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Kristine Opolais Wladimir Ognovenko Didyk Stefania Toczyska Stephan Rügamer

Wot nastojachtchij Schwung! Prokofjews Spieler ist ein ganz eigener Fall von einer Oper. Sie klingt, als hätte Prokofjew alle rhythmischen Ideen, die er jemals hatte, in einen Mixer gesteckt, auf den Knopf gedrückt, fünf Minuten gemixt und das Ergebnis über zweieinhalb Stunden Musik ausgeschüttet. Die Sänger haben Verständnis für das, was sie singen. Etwas besseres gibt es nicht. Tscherniakov inszeniert mit Leichtigkeit in der Personenführung und mit Kühle im Optischen und lässt durch das Kuddelmuddel von Prokofjews Orchester den Ingrimm Dostojewskis wie ein Gewitterleuchten durchscheinen. Psychopathen, Musikfanatiker und Spielsüchtige werden ihre helle Freude an Prokofjews Spieler finden, letztere insbesonderen, weil Alexej alles gewinnt, was man in einer Spielbank überhaupt gewinnen kann. Misha Didyk (Alexej) singt mit angemessener Stimmspannung und nie endender Deklamationslust, Kristine Opolais (Polina) mit weiß schneidendem, Kühle und Leidenschaft in schmalen, grandiosen Höhepunkten freilegendem Sopran, Wladimir Ognovenko ist der tragisch vertrottelte General, der immer mehr verliert, je länger Prokofjews Spieler dauert, nur nicht stimmlich.

Stefania Toczyska (Babulenka) trägt Pelz, verspielt ihre und des Generals Erbschaft und hat ihre Diener mit napoleonischer Nonchalance im Griff. Toczyska verfügt über eine in allen Registern sehr farbreiche, energische Stimme. Alexander Vitlin dirigierte zugleich kalt- und heißblütig und zudem sehr erfahren. Er machte seine Sache sehr gut. Aufmerksame, feurige Staatskapelle. Vitlin sehr gut. Viel Arbeit gab es für die Tuba. Das Schlagzeug macht ritsch-ratsch. Nur: wie es ausgeht, habe ich nicht kapiert. Es geht um die letzten 30 Sekunden. Ist Polina sauer? Spielt Alexej doch noch weiter? Die Inhaltsangabe auf staatsoper-berlin.de hilft auch nicht weiter: „Polina fühlt sich beleidigt, provoziert Alexej erneut und erfüllt sich endlich ihren Wunsch, das Geld jemandem ins Gesicht zu werfen – nur dass es nun nicht den Marquis, sondern den erschütterten Alexej trifft.“ Ja, aber was heißt das? Nu, wce rawno, ochen priwlekatelnaja opera.

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