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Bericht Berliner Philharmoniker. Mahlers Siebte ist ein Schlachtfest, jedoch ein heiteres, und, da Haitink dirigiert, ein sachliches. Im Finale sieht man die Zünfte diverser Meistersinger-Inszenierungen vor dem inneren Auge vorbeiziehen. Ein ausgedehnterer Sonatenhauptsatz als das Allegro con fuoco dürfte schwerlich zu finden sein. Kräftiges, robustes Posaunensolo zu Beginn des Allegros, dann das energische Hornsolo von Radek Baborák. Der einzige leise Makel in diesem wunderlichsten aller ersten Sätze Mahlers sind diese allzu Beethovensch wirkenden Themenmodulationen in der Durchführung. Die Binnensätze entzücken.

Die Farbmischung der Orchesterstimmen Mahlers unterliegt ständigen, unvorstellbar subtilen Wechseln. Bei weitem nicht ausverkauft. Konzertmeister ist Daniel Stabrawa. Soloflötist ist Andreas Blau. Nabil Shehata (Solobassist) nun schon länger nicht mehr gesehen. Haitink hält sich aufrecht. Der Stab wird sparsam eingesetzt. Die kräftigen, gerundeten Hände und die schweren Augenwülste sieht man bis in die hinteren Reihen. Wenn Haitink sich vorbeugt, erscheint er etwas halslos. Einiges an der Haltung wirkt hin und wieder chevaleresk. Die lichte Haarkrone zittert ab und an. Das gletscherweiße Gleißen des Tutti des Finales setzt den Schluss. Wenn Rattle Haitinks Überblick hätte, wäre Rattle ein Über-Rattle. Doch halt! Bernard Haitinks Überblick ist ein milder Überblick, Ozawas Überblick ist ein kaltblütiger. Den bräuchte Rattle. Eines der guten Dirigate Haitinks.

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