Kritik Barenboim Staatskapelle: Piotr Anderszewski Beethoven Berg Drei Orchesterstücke

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Daniel Barenboim Staatskapelle Berlin KonzerthausKonzert der Staatskapelle Berlin im Großen Saal des Konzerthauses.

Unter den schwammigen Augen der Komponistenbüsten, allesamt Verkörperungen eines hanebüchenen Spätstils der DDR, höre ich Beethovens symphonisch keckes C-Dur-Klavierkonzert.

Piotr Anderszewski hat seine besten Momente in der improvisatorisch wogenden, weiträumig geordneten Durchführung des ersten Satzes. Anderszewski, der Fastfünziger, wirkt ja trotz Haarsilber auffallend jugendlich. Der Pole strahlt Melancholie aus, wirkt zerbrechlich, nett – und doch gewieft, hochkonzentriert. Wie er spielt, das outet Anderszewski als Meister pedalisierten Farbenspiels. Im Molto-Espressivo-Largo knipst Anderszewski das Schummerlicht an Weiterlesen

Kritik Lohengrin Deutsche Oper 2017: Runnicles Klaus Florian Vogt Manuela Uhl Elena Pankratova

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Klaus Florian Vogt Lohengrin

Klaus Florian Vogt als Lohengrin

Alles neu macht der allezeit populäre Lohengrin.

Denn im Vergleich zum Seiffert-Dasch-Lohengrin vom Dezember 2016 sind die Hauptrollen 2017 an der Deutschen Oper Berlin samt und sonders neu besetzt.

Ich beginne ausnahmsweise mit dem wolligweichen Bass Sung Ha. Der steht als König Heinrich steif wie ein Laternenpfahl auf der Bühne, klingt aber so wunderlich jung, dass kaum stört, dass seine hohe Lage leicht ist und seinem Vortrag die persönliche Note jenseits des 0815-Gestenrepertoirs für König Heinrichs fehlt. Aber das kommt schon noch. Sehr schön. Weiterlesen

Kritik Tannhäuser Deutsche Oper Berlin 2017

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Tannhäuser Deutsche Oper Berlin 2016

Schöne neue Tannhäuser-Welt: Der Himmel hängt voll Rüstungen, auf der Bühne stauen sich die Bettlägrigen

Der Tannhäuser an der Deutschen Oper Berlin.

Kirsten Harms‘ Inszenierung hat sich im neunten Jahr ihres Bestehens eine gewisse solide Patina erarbeitet.

Bei Harms muss der Opernbesucher zwei Dinge beachten. In der Männerwelt ist tutto Blech, oben im Himmel und hienieden, und das sowohl vor der Männer- als auch vor der Pferdebrust. Das war erstens. Und zweitens gibt es eine Überraschung. Sie betrifft Elisabeth – und Venus. Beide werden heuer nicht nur von ein und derselben Sängerin gesungen (Camilla Nylund). Sie sind – darauf deutet im dritten Akt das eine oder andere hin – dieselbe Dame, sowohl körperlich als auch geistig. Punkt. Jedenfalls in gewisser Weise. Aber wenn man das als Zuschauer nicht glaubt – ist auch nicht weiter schlimm. Weiterlesen

Kritik King Arthur Premiere Staatsoper Berlin: Sven-Eric Bechtolf Julian Crouch René Jacobs

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Michael Rotschopf, Annett Fritsch, Meike Droste Staatsoper Berlin Henry Purcell

Annäherungsversuch: Michael Rotschopf, Annett Fritsch, Meike Droste / Foto: Ruth Walz

Die Staatsoper Berlin premiert einen kreuzfidelen King Arthur.

Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch inszenieren Henry Purcell.

Ich sehe die fünfaktige Semi-Oper nach einem Libretto von John Dryden zum ersten Mal: Uraufführung 1691, 100 Jahre vor Mozarts Tod. Es gibt einiges zu lernen: Die zentralen Charaktere singen (meist) nicht, sie schauspielern. Das machen sie gut. Allen voran Meike Droste als tapfere Emmeline und Michael Rotschopf als mit zurückhaltend royaler Männlichkeit ausgestatteter King Arthur. Weiterlesen

Kritik Nabucco Deutsche Oper Berlin: Anna Smirnova, Dalibor Jenis, Roberto Tagliavini

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Alexei Botnarciuc, Jörg Schörner, Anna Smirnova, Roberto Tagliavini, Tuomas Pursio, Dalibor Jenis, Robert Watson, Irene Roberts, Seyoung Park

Alexei Botnarciuc, Jörg Schörner, Anna Smirnova, Roberto Tagliavini, Tuomas Pursio, Dalibor Jenis, Robert Watson, Irene Roberts, Paolo Arrivabeni, Seyoung Park

Keith Warners Nabucco-Inszenierung ist weder Fisch noch Fleisch.

Da hilft es wenig, dass Keith Warner eine Vorliebe für kuriose Bühnenbildeinfälle hat. Der rollende Gartenzaun, der im vierten Akt in kühner Diagonale auf die Bühne fährt, provoziert spontane Lacher. Was die Treppenturmapparatur genau für eine Bedeutung hat, blieb wahrscheinlich selbst Keith Warner verborgen. Dafür produziert Warner in der Deutschen Oper Bilder, die das Auge erfreuen. Da ist allen voran der warm leuchtende Holzkubus, der so etwas wie eine Vision des Jerusalemer Tempels darstellt. Weiterlesen

Neujahrskonzert Wien 2017 mit Gustavo Dudamel: Bericht & Kritik

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Neujahrskonzert 2017 Wiener Philharmoniker Gustavo Dudamel

Neujahrskonzert 2017 Wiener Philharmoniker Gustavo Dudamel

Erster Jänner 2017.

Als Berliner spricht man am Jahresersten gerne österreichisch.

Das Neujahrskonzert 2017 dirigiert der 36jährige Gustavo Dudamel.

Es scheint zwischen 1850 und 1900 in Wien kein Ereignis gegeben zu haben, zu dem den österreichischen Komponisten nicht ein Walzer einfiel. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass es in Wien so viele komponierte Tänze gibt wie anderswo Verkehrsampeln. Weiterlesen

Kritik Silvesterkonzert 2016 Berliner Philharmoniker: Rattle, Trifonov Rachmaninow 3

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Silvesterkonzert Berliner Philharmoniker

Silvesterkonzert Berliner Philharmoniker 2016 / Foto: facebook.com/BerlinPhil/

Schon wieder ein Jahr rum. Schon wieder ein Silvesterkonzert.

Es ändert sich ja sowieso nichts. Rattles Haupthaar wird einfach nicht weißer, und die Berliner Philharmoniker spielen noch genauso gut. Nur Trifonow wird immer noch besser. Doch davon gleich. Weiterlesen

Kritik Rattle Walküre 1. Akt Berliner Philharmoniker: Eva-Maria Westbroek Simon O’Neill Tomlinson

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John Tomlinson, Eva-Maria Westbroek, Simon O'Neill

John Tomlinson, Eva-Maria Westbroek, Simon O’Neill

Wo liegt der Unterschied zwischen Walküre und Götterdämmerung? In der Walküre wird so manches Auge feucht, in der Götterdämmerung hauptsächlich das Sitzfleisch.

Deshalb gibt es einen opulenten ersten Walküre-Akt in der Philharmonie. Auf die Weihnachtsgans müssen die Berliner noch warten, den Weihnachtswagner bekommen sie jetzt schon.

Eva-Maria Westbroek singt eine aufgekratzte Sieglinde. Frau Westbroek verfügt über ein gesundes Vibrato, und greift auch sonst musikalisch in die Vollen: Ihr Sopran hat Wärme und ist hinreichend laut. Und sie singt mit leidenschaftlicher Eindringlichkeit. Alles vibriert an ihr. Die stimmliche Gewichtsklasse von Westbroek ist das Schwergewicht. Entsprechend expansiv phrasiert sie. Klanglich kann man von Eva-Maria Westbroeks Sieglinde nicht behaupten, sie stünde erst auf der Schwelle zur Volljährigkeit, aber das macht sie womöglich für Siegmund O’Neill umso appetitlicher. Weiterlesen

Kritik Lohengrin Deutsche Oper Berlin: Annette Dasch Peter Seiffert

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Annette Dasch

Einmal knicksen bitte! Herzogstochter Annette Dasch

Hier die Kritik zum Lohengrin 2017 mit Klaus-Florian Vogt und Manuela Uhl lesen!

Am 3. Advent in den Lohengrin gehen? Passt!

Das Thema ist religiös, der Chor singt schön, die halbe Oper spielt vorm Münster. Die Oper tendiert zum Übernatürlichen.

Also ab in die Deutsche Oper Berlin.

Der Berliner Lohengrin von Regisseur Kaspar Holten musste anlässlich seiner Premiere 2012 harte Prügel einstecken. Dabei ist Holtens Inszenierung alles andere als übel. Holtens führerlose Grenzkrieggesellschaft (eine Art Donbass an der Schelde) hat im Lauf der letzten vier Jahre etwas Federn gelassen, was die konzeptionelle Schärfe angeht. Aber der Rahmen steht noch. Das schimmernde Vorspiel deutet Holten schlüssig als Totenklage, das strahlend weiße Hochzeitsbett wird flugs zum Marmorsarkophag von Elsas Liebe, und zu allem Übel hinterlässt Lohengrin in Brabant jede Menge verbrannte Erde – unter anderem Gottfried als blutiges Leichenbündel. Lässt man weniger Kohärentes weg – warum zum Henker stehen die giftgrünen LED-Spaghetti für Ortruds Heidentum? – so ist das eine Wagnerdeutung, die genügend Grip hat, um Hirn und Herz vier Stunden lang zu beschäftigen. Weiterlesen

Kritik Aida Deutsche Oper: Tatiana Serjan Anna Smirnova

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Problemfall Aida!

Was machen als Regisseur mit Triumphmarschgedöns, was mit klamottigen Ägyptenanspielungen, mit Ballettgehopse (2. Akt)?

Benedikt von Peter macht an der Deutschen Oper Berlin drei Dinge: Er konzentriert sich auf die Ménage à trois Amneris-Radamès-Aida. Er kippt Papppyramiden und Triumphmarschtümelei in den Papierkorb – so weit weg von Ägypten war noch selten eine Aida. Er lässt rotieren: Die Chormusiker sitzen unter den Zuschauern. Das Orchester sitzt hinter den Sängern. Die Sänger singen hinter den Zuschauern. Weiterlesen