Kritik DSO Ticciati Karen Cargill: Berg frühe Lieder Bruckner 6

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Das DSO mit einem Doppelkonzert am Sonntag und Montag.

Das Konzert in der Philharmonie beginnt mit Magnus Lindbergs sehr kurzem Chorale. Das Stück variiert die bekannte Bach’sche Choralmelodie aus Alban Bergs Violinkonzert und steht zwischen Ruhe und zarter Zersplitterung. Weiterlesen

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Kritik Premiere Tristan & Isolde Staatsoper Berlin: Tscherniakow Barenboim Schager Kampe

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Tristan und Isolde Berlin Staatsoper 2018 1. Akt Schager Kampe

Tristan Andreas Schager und Isolde Anja Kampe / Foto: Monika Rittershaus

Das ist doch das Widerwärtigste was ich noch in meinem Leben gesehen und gehört. Wer da so über Richard Wagner vom Leder zog, war Clara Schumann. Die Notiz  entstammt ihrem Tagebuch, Datum ist der 8. September 1875. Clara Schumann hatte in München eine Vorstellung von Tristan und Isolde besucht. Weiterlesen

Kritik La Traviata Staatoper Berlin 2018: Elsa Dreisig Liparit Avetisyan

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Dieter Dorns La Traviata in der Wiederaufnahme an der Staatsoper Berlin.

Die erneute Wiederbegegnung mit Dorns Neuproduktion macht diese nicht besser. Dorns Traviata ist statisch. Wie auf einem niederländischen Stillleben arrangiert der Regisseur Memento-Mori-Utensilien: rieselnder Sand, der Totenkopf als lebendes Bild, ein Spiegel mit Trübung und Sprung. Eine Kerze brennt dem Ende entgegen. Vanitas-Bild folgt auf Vanitas-Bild. Der Chor lungert lustlos in grellbunten Kostümen herum. Statt Symbol einer gefährlich repressiven Gesellschaft ist er nichts als ein lahmes Feierkollektiv, das so wenig Feierlaune verbreitet wie eine Ölsardine.

La Traviata Staatsoper Berlin Elsa DreisigVerdi erzählt die traurige Geschichte in knappen Bildern.

Eine Arie jagt die nächste. Das Personal jagt dem Abgrund entgegen.

Bei Dieter Dorn jagt nichts. Stattdessen schleppt sich die Inszenierung dahin, als wäre sie selbst schwindsüchtig. Zwischendurch räkelt sich Violetta auf ihrem Kissenkuschelplätzchen. Allenthalben hebt Dorn mahnend den Vanitas-Finger. Bedeutungsschwer umzingeln lehmige Ballett-Lemuren Violetta. So entschleunigt man Verdis Liebe-Tod-und-Schwindsucht-Drama zu lamentuöser Stilllebenstatik.

Gott sei Dank wird in Verdis Kurtisanendrama von der Seine auch gesungen. Weiterlesen

Kritik Vogler Quartett Konzerthaus: Haydn Debussy Brahms Streichsextett

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Das Vogler Quartett setzt seinen Konzertzyklus im Kleinen Saal des Konzerthauses fort.

Das Programm bringt Wiener Klassik, jungen, makellosen Debussy und jungen, wilden Brahms.

Im Vogler Quartett lebt musikalischer Geist.

In Joseph Haydns Streichquartett op. 74 Nr. 1 wird das Allegro von stetig vorwärts treibenden Impulsen Weiterlesen

Die Gezeichneten Komische Oper Calixto Bieito Kritik

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Die Komische Oper Berlin zeigt Die Gezeichneten von Franz Schreker.

Die Gezeichneten mausern sich zur Trendoper. Im Sommer 2017 wagte sich gar die große Bayerische Staatsoper an die Lust- und Laster-Oper. Erst Ende der Siebziger leiteten M. Gielen und H. Neuenfels die Wiederentdeckung ein. Zuvor hatten die Nazis Schreker mit deutscher Gründlichkeit aus den Spielplänen gekärchert. Komponiert wurde die dreiaktige Oper während des 1. Weltkriegs. Schreker war damals der letzte Schrei, Schrekers Opern waren gleichbedeutend mit hitzig wuchernden Klangräuschen und auratischen Textbüchern.

Die Gezeichneten Komische Oper Berlin

Schlussapplaus: Ausrine Stundyte, Peter Hoare, Michael Nagy et alii

Schon das Libretto von Die Gezeichneten schillert vielgestaltig. Der Mix aus Thrill, Eros und symbolträchtiger Jugendstil-Ästhetik ist 100% Schreker. Weiterlesen

Daniil Trifonow Jansons Berliner Philharmoniker Kritik: Schumann Klavierkonzert Bruckner 6. Sinfonie

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Trifonow spielt das Schumannkonzert.

Trifonow ist binnen weniger Jahre zum Supermann des Klaviers aufgestiegen. Seine Soloabende sind binnen Tagen ausverkauft. Seine Berliner Rachmaninowkonzerte waren zugegebenermaßen sensationell. Man hört Lobeshymnen, wenige nur zweifeln.

Man weiß, dass Daniil Trifonow typisch russisch spielt. Hochvirtuos, viel Rubato, brillant. Schärfer und moderner als Kissin, linienklarer und geschmeidiger als Bronfman.

Dass Trifonow das Klavierkonzert op. 54 so langsam spielt, war nicht zu erwarten. Da werden Unterschiede zwischen den Themen eingeebnet. Da gerät die Durchführung wohl einen Tick zu träumerisch. Aber dann zeigt die entschlossene, bei Trifonow so scheinbar einfach klingende Kadenz, bei der er die verschiedenen Motivkomplexe wunderbar herauspräpariert, warum Trifonow zu den interessantesten jungen Pianisten zählt. Der Flügel klingt einige Male – ich meine gewollt – harsch (ich sitze Block G rechts)..

Daniil Trifonow bei den Berlinern Philharmonikern

Dem 2. Satz (Intermezzo. Andantino grazioso) fehlt Temperament. Natürlich ist das Tempo langsam. Doch Trifonow scheut beides, Innigkeit und Zuspitzung. Stattdessen hüllt er den Satz in feinsinnigen Piano-Zauber. Thematische Konturen werden so abgeschliffen. Er romantisiert das Grazioso. Die Philharmoniker spielen hier interessanter, Weiterlesen

Kritik Ultraschall Berlin Abschlusskonzert DSO Evans: Haas Posaunenkonzert Andre woher…wohin

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Nach den aufschlussreichen Exzessen elektronischer Musik des Vortages kehrt Ultraschall Berlin in die Bahnen des symphonischen Orchesterkonzerts zurück. Das Abschlusskonzert findet nun im Haus des Rundfunks statt. Die Dimensionen sind geweitet, der Gestus ist symphonischer, das Publikum gediegener. Es spielt das DSO. Es dirigiert der Cottbuser GMD Evan Christ. Sämtliche Stücke erfordern den großen Apparat.

In NINA ŠENKS kurzem, versiertem Echo II treten Einzelfarben (Klarinettenrufe!) kaum aus dem Gesamtklang heraus. Etwas zu selbstsicher herrscht die funkelnde Üppigkeit des Klangs. So steckt sich Echo II selbst die Grenzen, von denen man wünschte, es bräche aus ihnen aus. Die Partitur gibt es hier.

Ultraschall Berlin 2018 DSO Evan Christ

Ultraschall Berlin 2018: Dirigent Evan Christ und Posaunist Mike Svoboda

Offen virtuos verfährt BRUNO MANTOVANI in Love Songs. Das Stück bietet keine Sensationen, benennt keine Probleme, am wenigsten brennend zeitgenössische. Allein die glasklare Luft, in der Love Songs sich bewegen, lässt sich anhören. So propagiert Mantovani den großen Ausbruch ebensowenig wie Šenk. Hörenswert ist indes Flötistin Magali Mosnier, die die ihr gestellte Aufgabe mit Bravour und exorbitantem Können löst. Weiterlesen

Kritik Ultraschall Berlin: Ensemble ascolta und hand werk spielen Bertelsmeier, Holz, Poppe, Frank, van Eck u.a.

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Ultraschall Berlin geht weiter. Ab ins Konzert III. Es wird vom Ensemble ascolta  bestritten. Teil 3 des Ultraschall-Samstags bündelt Neue Musik von Newcomern, jüngeren Arrivierten und Altmeistern. Neue-Musik-Spezi Michael Wendeberg leitet.

TIC (2016) von BIRKE JASMIN BERTELSMEIER ist locker und flockig wie vieles aus der Feder der Nordrheinwestfälin. Bertelsmeier liebt das Offene. Die Strukturen sind leicht, fluktuieren, verästeln sich motivisch, ohne leicht zu wiegen. Der Klang ist farbig. Der Zugriff ist spielerisch. Das hinter der Komposition stehende Thema Tod wirkt angesichts der lockeren Faktur fast parodistisch. Dem formidablen Bass Andreas Fischer hört man die schwäbische Herkunft in fast jeder Silbe an. Die ariosen Einschübe zeigen Wozzeck-Melos.

Birke Jasmin Bertelsmeier Ultraschall Berlin 2018 Ensemble ascolta

Birke Jasmin Bertelsmeier und Ensemble ascolta applaudieren sich gegenseitig

Gar nicht so unähnlich gebärdet sich ERES HOLZ‘ locker gefügtes MACH (2011) für Trompete solo, das Markus Schwind geradlinig entfaltet. Schwinds Trompetenklang ist haptisch, klar und schartig. Die Virtuosität ist zugunsten motivischer Weiterlesen

Kritik Ultraschall Berlin: Ensemble Nikel und Caleb Salgado im Radialsystem V

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Das Ultraschall-Ufo landet für fünf kurze Tage in Berlin. Die Landepunkte befinden sich über ganz Berlin verteilt. Am Samstag konzentriert sich die Aktivität des Neue-Musik-Festivals Ultraschall Berlin vollständig im Radialsystem V. Es gibt zwei Nachmittagskonzerte, sodann zwei Abendkonzerte.

Konzert I bestreitet das Ensemble Nikel, vier junge Männern, die sich Saxofon, Klavier, Schlagzeug und E-Gitarre widmen.

Der in jeder Hinsicht aufschlussreiche Tag beginnt mit Fleisch (vollendet 2017) von ENNO POPPE, dem aktuellen Wunderwuzzi der Neuen Musik in Deutschland. Poppe transformiert in Fleisch das disparate Gestenrepertoire von Rock- und Jazzcombos in eine geschmeidig-flexible Kontinuität. Dass Poppe Werktitel gerne mit einer galvanischen Bedeutungsschwere auflädt, die an Beuys erinnert, rettet das irritierend bodenständige und wenig geheimnisvolle Werk indes kaum.  Weiterlesen

Elena Stikhina singt Mimì (La Bohème Staatsoper Berlin)

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Es ist die letzte La Bohème der weihnachtlich-winterlichen Aufführungsserie an der Staatsoper Berlin und vielleicht nicht die schlechteste, was sowohl an Elena Stikhina als schwindsüchtiger Mimì als auch an Vincenzo Costanzo als Dichter Rodolfo liegen dürfte.

La Bohème Staatsoper Berlin

Elena Stikhina in den Armen Rodolfos: Mimì fliegt vom Sterbesessel / Foto: Monika Rittershaus

Was Elena Stikhina vokal auf die Beine stellt, überrascht. Sie singt die als einen einzigen großen Bogen komponierte Arie Sì, mi chiamano Mimì ohne Fehl und Tadel, mit porentief leuchtender Stimme und klasse Piano. Frau Stikhinas Vollhöhe ist dabei zum Bäume Ausreißen (Il primo sole è mio, il primo bacio dell’aprile è mio), da ist viel genuiner Ausdruck dabei. Weiterlesen